… zum Artikel „Viersen: Kampf um zweite Gesamtschule“ im RP-Grenzlandkurier vom 05.10.2016

Die Viersener Gesamtschule musste zum laufenden Schuljahr 90 Kinder aus Platzgründen ablehnen. Dies ist für die Betroffenen, die sich auf einen Besuch dieser Schule gefreut haben, sehr hart. Gleichzeitig ist eine funktionierende Schullandschaft ein für alle Bürger wichtiges und kompliziertes System. Neuausrichtungen bedürfen Fingerspitzengefühl, um nicht mehr Schaden als Nutzen anzurichten. Die Gründung einer neuen Schule zum Beispiel hat gravierende Auswirkungen auf alle (!) anderen Schulen vor Ort. In Zeiten von - im günstigsten Fall - stagnierenden Schülerzahlen heißt eine Neugründung nämlich auch, dass bestehende Schulen geschlossen werden müssen. Ganz konkret gesagt: Im Falle der Gründung einer Gesamtschule steht die Frage im Raum, ob die damit zusätzlich entstehende gymnasiale Oberstufe nicht sogar den Bedarf übererfüllt und die bereits bestehenden Oberstufen in Viersen quantitativ und damit auch qualitativ schwächt.

Zugegebenermaßen sind das eher strukturelle Fragen, die Eltern, welche für ihr Kind die Gesamtschule als beste Schulform bevorzugen, nicht in den Fokus nehmen müssen (wobei sie sich allerdings durchaus Gedanken über die Qualität der zukünftigen Oberstufe machen sollten). Aber es gibt genauso gut Eltern, die nicht die Gesamtschule, sondern eine andere Schulform für ihr Kind wünschen. Bei einer möglichen Elternbefragung, wie die Fraktion Die Linke sie kürzlich zum wiederholten Male beantragt hat, bliebe der Wunsch dieser Eltern auf der Strecke. Denn die angestrebte sog. „Feststellung des Elternwillens“ bezieht sich nur auf das individuelle Interesse, sein Kind an einer Gesamtschule anzumelden, während die Auswirkungen einer zusätzlichen Gesamtschule auf die anderen Schulen (die fast zwangsläufig aus einem entsprechenden Ergebnis folgen würde) vollkommen unbeachtet bleibt. Diese Vorgehensweise (Elternbefragung als Grundlage weiterer Schritte) ist zwar in der Schulgesetzgebung so verankert, sie macht die Sache aber nicht besser.

In anderen Kommunen ist zu beobachten, dass nach der Gründung einer zusätzlichen Gesamtschule alle Gesamtschulen hinter die Qualität zurückgefallen sind, die sie vor der Neugründung vorweisen konnten. Somit würden auch diese Eltern nicht die Schule bekommen, die sie eigentlich haben wollten. Dies kann nur verhindert werden, indem die Kapazitäten in Haupt- und Realschulen sowie im Gymnasium zurückgefahren werden, ginge also klar zu deren Lasten. Eine ehrliche, vorausschauende Elternbefragung müsste also lauten: „Sind Sie dafür, dass eine Hauptschule, eine Realschule und ein Gymnasium zugunsten einer zweiten Gesamtschule geschlossen werden?“ Das ist vom Gesetz her zwar nicht so vorgesehen, wäre aber ehrlich. Um die Benennung der Schulen, die geschlossen werden müssten, drückt sich die Linke mit Hinweis auf die Rechtslage herum. Juristisch richtig, aber nicht ehrlich.

In Viersen haben wir außerdem eine zusätzliche Besonderheit:

In Dülken läuft der einstimmig im Stadtrat verabschiedete Schulversuch der Primusschule bereits im dritten Jahr. Diese Schule, die die Jahrgänge 1 bis 10 umfasst, verfolgt in der Sekundarstufe I, also von der 5. bis zur 10. Klasse, ein ähnliches pädagogisches System wie die Gesamtschule. Das bedeutet: Ab dem Schuljahr 2018/19, wenn der erste Primusschuljahrgang die Grundschulstufe durchlaufen hat und in die Sekundarstufe I wechselt, gibt es drei zusätzliche Klassenzüge im Stadtgebiet, die das längere gemeinsame Lernen - wie auf der Gesamtschule - durchführt. Auch wenn die Primusschule „nur“ ein Schulversuch ist, so würde die Gründung einer zweiten Gesamtschule im Stadtgebiet auch diesen Schulversuch gefährden. Das Ergebnis: Scheitern eines neuen Konzeptes und Unterminierung der Schulgründung, noch bevor die Schule voll entwickelt ist. Dafür sind wir vor drei Jahren nicht angetreten. Um die Aussagekraft des Schulversuches zu erhalten, muss die Primusschule mindestens bis Klasse 8 entwickelt sein. Erst dann wäre es verantwortbar, durch schulorganisatorische Maßnahmen indirekt Einfluss auf die weitere Entwicklung zu nehmen.

Nach sorgfältiger Abwägung all dieser Aspekte hat die CDU den Antrag der Linken auf Elternbefragung im letzten Schulausschuss abgelehnt.


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